Fotografie in künstlerischem Schwarz-Weiß oder doch lieber natürlich?

Nachdem ich in meinem Silvester-Urlaub so viele schöne Bilder gemacht habe, ging es dann an die Bearbeitung. Und relativ schnell habe ich festgestellt: wow, in schwarz-weiß sehen manche Bilder wirklich spitze aus! Wie ich das meine und was ich mit den Bildern gemacht habe, zeige ich dir jetzt.

Meistens sind die Bilder, die ich so schieße, auch ohne Bearbeitung schon wirklich gut. Sie haben dank meiner Kamera und meinen Objektiven die richtigen Schärfen und Tiefen und brauche im Grunde gar keine Retusche mehr, denn ich bin eh ein Freund von natürlichen Farbgebungen.

Seit ich aber bei 500px angemeldet bin und dort mehr und mehr Schwarz-Weiß-Bilder zu sehen bekomme, habe ich mir gedacht: Warum nicht auch selbst mal in Photoshop ausprobieren?

Ein Bild in Schwarz-Weiß zu tauchen, ist natürlich nicht immer die optimale Lösung. Du solltest dir vorher immer überlegen, was du mit dem Bild aussagen möchtest, denn der Farbentzug verändert auch die Stimmung des Fotos sehr stark.

Fotografen bedienen sich dem Schwarz/Weiß sehr gern, um die Bilder mystischer und aufregender zu gestalten. Das klingt erstmal etwas paradox: Bilder, die durch Farbentzug aufregend werden? Ja! Denn sie erhalten mehr Tiefe, enthalten mehr Geheimnisse, denn die Farbgebung bleibt nun der Fantasie überlassen und sie erzeugen den Effekt von Erinnerungen, von Nostalgie.

Die Bilder und kleine Bearbeitungstipps
Die nostalgische Tasse..

Zu so altem Geschirr passt der Schwarz-Weiß-Effekt natürlich richtig gut: Nostalgie pur! Ich habe das Bild kurz nach Weihnachten aufgenommen und auch das Original ist sehr hübsch. Aber erst durch die Schwarz-Weiß-Überlagerung kommt der nostalgische Charakter hervor, wie ich finde. Wie habe ich das gemacht? Ich habe zunächst die Farbsättigung rausgenommen (ich mache es meistens so, denn wenn ich bei Photoshop Schwarz-Weiß wähle, wird gar nichts mehr farbig und vielleicht möchte ich doch noch einen Farbeffekt lassen) und dann den Kontrast hochgesetzt. So entstehen die feinen Linien im Tassenmuster und wirken gleich noch ein bisschen ausgeblichen. Danach noch einen weichen Warmfilter drüber und schon sieht es aus wie eine Fotografie aus der Vergangenheit.

Rubbel mich mal...

Das Pferd meiner Schwester liebt es, sich an allem möglichen zu schubbern. Und wenn eben nur ein anderes Pferd in der Nähe ist, dann muss das herhalten. Die Schwarz-Weiß-Färbung hat hier nicht den Effekt, dass das Bild nostalgischer oder märchenhafter wird, sondern gibt dem Bild mehr Struktur und auch etwas mehr Witz. Was habe ich gemacht? Sättigung raus und Kontrast weit nach oben. :)

Verträumtes Pärchen...

Die beiden kennt ihr ja bereits, nur eben in etwas bunter. :) Ich finde, die Farbgebung in diesem Bild unterstützt noch einmal das verträumte In-Die-Ferne-Starren der beiden. Vielleicht schwelgen sie gerade in Erinnerungen oder träumen von der Zukunft? Man wird es nie erfahren, aber man darf rätseln. Was habe ich gemacht? Sättigung raus, Kontrast rein. Hier habe ich zusätzlich noch einen stärkeren Warmfilter eingesetzt, da die Stimmung so einfach herzlicher und gemütlicher wird.

In Ketten gelegt...

Dieses Bild so zu bearbeiten, war gar nicht so einfach. Ich wollte mit dem Schwarz-Weiß den Fokus auf die Kette legen, die als einzige Komponente des Bildes nicht ihre Farbe verloren hat. Wie habe ich das gemacht? Ich habe die Kette komplett markiert, habe sie dann in eine neue Ebene kopiert. Dann wurde beim Original-Bild die Sättigung rausgenommen (hier wäre die Nutzung des Schwarz-Weiß-Buttons nicht gut, da dann auch die Kette ihre Farbe verlieren würde) und die Sättigung sowie den Kontrast der Kette noch etwas erhöht.

Die Spiegelung im Wasser...

Dieses Bild finde ich irgendwie total cool. Man muss quasi zweimal hinschauen, weil das leuchtende Rot zunächst das Bild farbig erscheinen lässt. Erst im zweiten Moment merkt man, dass da etwas nicht stimmt und bemerkt den Schwarz-Weißen Filter. Was habe ich gemacht? Hier habe ich zunächst die Bildebene dupliziert. Dann wurde in der unteren Bildebene die Farbe rausgenommen und in der oberen Ebene solange radiert, bis nur noch die rote Spiegelung des Schiffes übrig war. Dann die Ebenen zu einer reduziert und die Sättigung und den Kontrast erhöht. Das Kunstwerk ist fertig.

Ich finde die schwarz-weißen Kontraste wirklich sehr schön, aber wie schon gesagt, passen sie nicht zu jedem Bild. Diese fünf sind meine Favoriten geworden und ich musste sie dir einfach zeigen.

Was meinst du? Gefällt dir das künstlerische Schwarz-Weiß oder bist du eher ein Freund von natürlichen Farbgebungen?

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6 Gedanken zu “Fotografie in künstlerischem Schwarz-Weiß oder doch lieber natürlich?

  1. Hallo Biene,
    ich mag sehr gerne Schwarz / Weiß Fotografien, aber wie du ja auch schreibst, kommt es immer auf das Foto an sich drauf an und was ich darstellen oder erreichen möchte.
    Vielen dank für deine Infos, habe zwar keine Kamera, aber ich liebe einfach gute Bilder (und deine sind gut).
    LG
    Ede

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  2. Hei Bine,
    tolle Fotos, ich mag Stillleben in schwarz/weiß sehr gerne, es kann einen wirklich fröhlichen Blick in die Richtung der Melancholie lenken, Gott hört sich das geschwollen an ;-) hoffe du weißt was ich meine.
    Bei Menschen mag ich es dann eher weniger, da ist mir die Farbe lieber, sieht lebendiger aus und nicht so trist. Aber immer alles Geschmacksache. Ich bearbeite meine Bilder nie, ich kenne mich da einfach zu wenig aus, und dank meiner Kamera geht es auch ohne!
    Liebe Grüße

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    • Hi Tanja,

      ja, ich weiß, was du meinst – gut gesprochen. ;)

      Normalerweise bearbeite ich meine Bilder auch wenn nur minimal, weil ich einfach die natürliche Fabrgebung liebe. Sie ist ja auch nicht zum Spaß da.

      Manchmal sehe ich Bilder aber nicht als Zeitzeugen, sondern als Kunstobjekte an und dann bearbeite ich sie auch, weil in ihnen etwas steckt, was noch herausgekitzelt werden kann.

      Bei den Bildern, die ich hier gemacht habe, bin ich sowohl Fan von der originalen, als auch von der schwarz-weißen Version. Es kommt eben darauf an, was ich in ihnen sehen will. ;)

      Liebe Grüße,

      Bine

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  3. Ich liebe es! Die richtigen Bilder in Schwarz-Weiss können, ähnlich wie eine bewusste und gute Unter- bzw. Überbelichtung, die richtige Dynamik und Stimmung ins Bild zaubern. Ideal finde ich, dass man mit den heutigen Digitalkameras bereits in S/W-Modus fotografieren kann.

    Meine Erfahrungen waren, dass die Bildkomposition bereits viel ausmacht und ich habe mich schon oft geärgert, dass die Fotos nach dem Photoshop-Filter nie so gut in S/W gewirkt haben, wie ich es in meinem Kopf hatte.

    Deine Bilder gefallen mir sehr gut, die Kette und die rote Spiegelung des Bootes sind aber meine Favoriten. :-)

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    • Ja, das finde ich auch. Man muss eben immer auch unterscheiden zwischen „Situationsfotografie“ und künstlerischen Bildern. Eine Mischung aus beiden finde ich immer am besten. :)

      Das mit der Bildkomposition kann ich so unterschreiben, das stimmt auf jeden Fall. Deswegen sind es ja auch nur so wenige bei mir geworden, die tatsächlich in Schwarz-Weiß auch überzeugen. Insgesamt hatte ich ja ca 400 Bilder zur Verfügung… ;)

      Dankeschön! Das sind auch die Aufwendigsten gewesen.

      Liebe Grüße,

      Bine

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